Überblick

Im Rahmen des Kooperationsprojektes ,,OJS-de.net" wurde zwischen 2014 und 2015 eine Bedarfsanalyse zu Open Journal Systems (OJS) erstellt. Die Ergebnisse der Umfrage sollten dabei helfen, den systematischen Austausch der OJS-Akteure an wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen im deutschsprachigen Raum zu verbessern, die Software für die deutschsprachige wissenschaftliche Publikationslandschaft zu optimieren und Strukturen zur nachhaltigen Unterstützung von E-Journalen zu entwickeln.

Die ,,Online-Umfrage zu Open Journal Systems (OJS)" reflektierte vorangehende Evaluationen zu OJS und wurde in Rücksprache mit PKP und unter Einbezug der Expertise von GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften entwickelt.

Befragt wurden insgesamt 285 Vertreter/innen folgender vier Zielgruppen:

  • Hostinganbieter, d.h. verantwortliche Personen in Infrastruktureinrichtungen, die OJS-Journals hosten und pflegen, wie z.B. in Universitätsbibliotheken oder Rechenzentren
  • Zeitschriftenbetreiber, d.h. Wissenschaftler/innen, die eine Zeitschrift mit OJS betreiben und als Herausgeber/innen oder Redakteur/innen unmittelbar in den Redaktionsprozess eingebunden sind
  • Autor/innen, Gutachter/innen, Beiratsmitglieder und Leser/innen einer OJS-Zeitschrift
  • Sonstige: hier konnten Teilnehmer/innen lediglich einen Kommentar zu OJS hinterlassen.

Einige Ergebnisse

Zufriedenheit mit OJS allgemein

Die allgemeine Zufriedenheit der Hostinganbieter und Zeitschriftenbetreiber mit der Software war sehr hoch (94 %). Dagegen waren 3 % der Hostinganbieter und 9 % der Zeitschriftenbetreiber unzufrieden/sehr unzufrieden. Die Gründe hierfür sind auf das noch fehlende Responsive Design und die komplizierten Redaktionswege zurückzuführen, die jedoch in der Version 3 überarbeitet wurden.

Fachdisziplinen der OJS-Zeitschriften

Im deutschsprachigen Raum werden OJS-Journals überwiegend im Bereich der Geisteswissenschaften (44 %) und der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (30 %) herausgegeben. Natur- und Lebenswissenschaften spielen eine untergeordnete Rolle.

Publikationsformate

OJS-Artikel werden überwiegend im PDF-Format (98 %) publiziert – andere Formate werden kaum genutzt ( HTML 26 %, Epub 7 %, XML 2 %, LaTeX 2 %). Der Grund dafür liegt vorrangig darin, dass die Software keine Möglichkeit zur Dokumentkonvertierung oder -editierung bietet. Als Konsequenz entwickelten IT-Mitarbeiter der Universitätsbibliothek Heidelberg eine solche Konvertierungs- und -editierfunktion für OJS 3. IT-Projektmitarbeiter am CeDiS der FU Berlin arbeiten parallel an der allgemeinen Professionalisierung und Verbesserung der Software.

Lizenzen

Überraschend war, dass 24 % der Zeitschriftenbetreiber nicht wussten, unter welcher Lizenz sie Artikel publizieren. 45 % der Befragten geben ein Copyright an – ein Großteil von ihnen setzen Creative-Commons-Lizenzen ein (52 %, dabei am häufigsten CC-BY 35 %). Weitere 21 % setzen keine spezifische Lizenz ein.

Die Tatsache, dass viele Zeitschriftenbetreiber unsicher über den Gebrauch von Lizenzen waren, nahmen die Berliner Projektbeteiligten zum Anlass, eine ausführliche Anleitung mit Hinweisen zur Vergabe von CC-Lizenzen zu erstellen und die Software entsprechend anzupassen.

Open Access und Review-Verfahren

Die große Mehrzahl (90 %) der Zeitschriftenbetreiber gaben an, ihr E-Journal im Open Access zu publizieren. 7 % gaben an, ihre Ausgaben mit einer Moving-Wall zu veröffentlichen.

Die Qualität der E-Journals wird meist durch ein Review-Verfahren gesichert, wobei hier die Herausgeberbegutachtung (60 %) überwiegt. Gut die Hälfte (49 %) der Zeitschriftenbetreiber erklärten zudem, ein Double-Blind-Peer-Review anzuwenden und 11 % involvieren einen wissenschaftlichen Beirat in die Qualitätssicherung ihres E-Journals.

Kommunikation, Wissensvermittlung

Für technische Fragen zu OJS ist das Public Knowledge Project (PKP)-Forum die zentrale Anlaufstelle (74 %). Darüber hinaus wenden sich 41 % der Hostinganbieter an andere IT-Entwickler und 39 % an andere Hostinganbieter.

Hostinganbieter und Zeitschriftenbetreiber kommunizieren über mehrere Wege. Im Vordergrund steht der persönliche Austausch über E-Mail (85 %), Telefon (61 %) oder persönliches Treffen (48 %).

Publikationen

Vollständige Dokumentation der Umfrageergebnisse

Sabine Gehrlein, Alexandra Büttner, Stefanie Clormann: Online-Umfrage zu Open Journal Systems (OJS). Bedarfsanalyse im Rahmen des Projektes ,,OJS-de.net". 2015. http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:16-heidok-192994

Weitere Publikationen