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Ergebnisse der Bedarfsanalyse

Überblick

Die „Online-Umfrage zu Open Journal Systems (OJS)“ erfolgte im Rahmen des Kooperationsprojektes „OJS-de.net – Nachhaltige OJS-Infrastruktur zur elektronischen Publikation wissenschaftlicher Zeitschriften“, gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Sie reflektiert vorangehende Evaluationen zu OJS und wurde in Rücksprache mit PKP und unter Einbezug der Expertise vom GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften entwickelt.

Bei der Bedarfsanalyse handelte es sich um eine geschlossene Umfrage, bei der gezielt OJS-Akteure im deutschsprachigen Raum zur Teilnahme eingeladen wurden. Technisch wurde sie mit der Open-Source-Software LimeSurvey aufgesetzt. Es gab sowohl eine deutschsprachige als auch eine englischsprachige Version, um der vielfach internationale Zusammensetzung der Redaktionsteams adäquat zu begegnen.

Ziel der Online-Umfrage

Ziel der Umfrage war es erstens einen Überblick über Verwendung und Einsatz von OJS an deutschsprachigen Universitäten und Forschungseinrichtungen zu erhalten, zweitens die Bedarfe von Hostinganbietern und Zeitschriftenbetreibern an der OJS-Software zu ermitteln und zu analysieren und zuletzt natürlich auch an OJS-Akteure an Universitäten und Forschungseinrichtungen heranzutreten, um im deutschsprachigen Raum eine Netzwerk und eine sich unterstützende Community aufzubauen.

Zielgruppen

Der Fokus lag auf den Akteuren im Zusammenhang mit OJS-Journals, die an Universitäten und anderen Institutionen im deutschsprachigen Raum publiziert werden. Diese wurden über eine systematische Recherche im Vorfeld ermittelt, bei der alle drei Projektpartner unter Federführung des KIM Konstanz agierten, und der die von CeDiS erstellte Liste der OJS-Installationen im PKP-Wiki zugrunde lag. Bei den insgesamt 810 eruierten Akteuren handelt es sich zum Teil um mehrere Mitglieder einer Zeitschriften-Redaktion oder eines Hosting-Teams, zum Teil gab es auch personelle Überschneidungen, d.h. dieselben Redakteure sind in unterschiedlichen Zeitschriften-Teams tätig. Insgesamt haben 285 und damit 35% der eingeladenen Personen an der Umfrage teilgenommen; davon haben 196 und damit 24% der Personen die Umfrage vollständig beantwortet.

Die vier Zielgruppen waren folgende:

1. Hostinganbieter, d.h. verantwortliche Personen in Infrastruktureinrichtungen, die OJS-Journals hosten und pflegen, wie z.B. Universitätsbibliotheken oder Rechenzentren.

2. Zeitschriftenbetreiber, d.h. Wissenschaftler, die eine Zeitschrift mit OJS betreiben und als Herausgeber oder Redakteure unmittelbar in den Redaktionsprozess eingebunden sind.

3. Autoren, Gutachter, Beiratsmitglieder und Leser einer OJS-Zeitschrift.

4. Sonstige: hier wurde Teilnehmern die Möglichkeit geboten, nur einen Kommentar zu OJS zu hinterlassen.

Fragen und Methode

Entsprechend der Funktionen der adressierten Fokusgruppen war der Fragebogen unterschiedlich ausgerichtet. Unterteilt nach 32 übergeordneten thematischen Bereichen gliederten sich die insgesamt 73 Hauptfragen in 388 Teilfragen, wobei die einzelnen Zielgruppen jeweils nur einen Ausschnitt dieser Fragen zu beantworten hatten. Hostinganbieter hatten insgesamt 47 Fragen zu beantworten, Zeitschriftenverwalter 49 Fragen, Gutachter/Autoren/Beiratsmitglieder hatten 19 Fragen und Teilnehmern, die nur einen Kommentar hinterlassen wollten, lagen insgesamt 4 Fragen vor. Die Fragen waren thematisch breit gefächert und bezogen sich zum einen auf die allgemeine Zufriedenheit mit der OJS-Software, aber auch auf technische Details, wie zum Beispiel den Einsatz von Plug-ins oder Publikationsformate.

Es handelte sich um eine quantitative Befragung mit geschlossenen, offenen und halboffenen Fragen, d.h. es gab Multiple-Choice-Fragen, die Möglichkeit diese zu ergänzen sowie Freitextfelder für ausführlichere Antworten und Anregungen. 46 der Fragen waren Pflichtfragen, die restlichen 27 Fragen bezogen sich vorwiegend auf allgemeine Angaben zur Person oder Freitextantworten. Daraus ergibt sich, dass sich die ausgewerteten Antworten i.d.R. nicht auf alle 285 Teilnehmer und ihre Antworten beziehen. Bei einigen Fragen wurde die Mehrfachauswahl-Option angeboten.

Auswertung der Online-Umfrage – ein Einblick

Zufriedenheit mit OJS allgemein

Die Rückmeldung der Hostinganbieter und Zeitschriftenbetreiber auf die Frage „Wie zufrieden sind Sie mit der OJS-Software allgemein?“ war positiv. 94% der Hostinganbieter und 85% der Zeitschriftenbetreiber gaben an, zufrieden bzw. sehr zufrieden mit der Open-Source-Software zu sein. 3% der Hostinganbieter und 9% der Zeitschriftenbetreiber hingegen führten an, unzufrieden bzw. sehr unzufrieden zu sein. Die Gründe hierfür sind auf das noch fehlende Responsive Design und die komplizierten Redaktionswege zurückzuführen, die jedoch in der kommenden OJS-3.0-Version angepasst werden.

Fachbereiche der OJS-Journals

Im deutschsprachigen Raum werden OJS-Journals überwiegend im Bereich der Geisteswissenschaften (44%) und der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (30%) herausgeben. Natur- und Lebenswissenschaften spielen eine untergeordnete Rolle. Für das Projekt „OJS-de.net“ bedeutet dies, dass der Fokus bezüglich Schnittstellen und Verbreitung der Journals im Bereich der geistes-, wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen liegen sollte. Insbesondere könnte ein Mehrwert für die Natur- und Lebenswissenschaften geschaffen werden.

Publikationsformate

OJS-Artikel werden überwiegend im PDF-Format (98%) angeboten. Nur 26% der Zeitschriftenbetreiber gaben an, ihre Beiträge in HTML-Format, 7% in EPub, 2% im XML-Format und weitere 2% in LaTex zu veröffentlichen. In Kombination mit den Freitextfragen, bei denen die Befragten die Möglichkeit hatten, Verbesserungsvorschläge anzugeben, wurde deutlich, dass der Grund für den geringen Einsatz von Formaten wie HTML oder EPub vorrangig darin liegt, dass die OJS-Software keine Möglichkeit zur Dokumentkonvertierung oder -editierung bietet und somit der Aufwand andere Dokumentformate zu erstellen, zu hoch ist. Für das Projekt „OJS-de.net“ sind insbesondere diese Rückmeldungen hilfreich und fließen in die weitere Projektplanung mit ein. So sind zum Beispiel IT-Mitarbeiter an der Universitätsbibliothek Heidelberg momentan damit beschäftigt, eine solche Dokumentkonvertierungs- und -editierungsfunktion für die neue OJS 3.0-Version zu entwickeln. Auch IT-Entwickler am CeDiS, welche speziell für das Projekt „OJS-de.net“ eingestellt wurden, arbeiten parallel an der Professionalisierung und Verbesserung der Software.

Lizenzen

Überraschend war, dass 24% der Zeitschriftenbetreiber auf die Frage „Unter welcher Lizenz veröffentlichen sie Ihre Artikel“ mit „weiß nicht“ antworteten. Weitere 21% setzen keine spezifische Lizenz ein. 45% der Befragten geben ein Copyright an und der Großteil mit 52% setzen Creative Commons Lizenzen ein, wobei die CC-BY-Lizenz mit 35% hier am häufigsten aufgeführt wird.

Die Tatsache, dass viele Zeitschriftenbetreiber unsicher über den Einsatz von Lizenzen bei der Veröffentlichung von Artikeln sind, deckt einen Bereich auf, in dem das Projekt „OJS-de.net“ mit Aufklärung und Informationen aktiv werden kann. Die Kollegen vom CeDiS erstellten eine Seite zu „Hinweisen von der Vergabe von CC-Lizenzen“ und passten die Software entsprechend an. Hier wird nicht nur auf CC-Lizenzen allgemein eingegangen, sondern auch ausführlich beschrieben, wie diese in der OJS-Software eingebunden und angezeigt werden können.

Review-Prozess

Dass 90% der Zeitschriftenbetreiber angeben, ihr E-Journal im Open Access zu publizieren, war nicht überraschend und bestätigte die Erwartungen der Projektpartner. 7% gaben an, ihre Ausgaben mit einer Moving-Wall zu veröffentlichen. Die Qualität der E-Journals wird meist durch ein Review-Verfahren gesichert, wobei hier die Herausgeberbegutachtung (60%) überwiegt. 49% der Zeitschriftenbetreiber erklärten zudem, ein Double-Blind-Peer-Review anzuwenden und 11% involvieren einen wissenschaftlichen Beirat in die Qualitätssicherung ihres E-Journals.

Einsatz von Plug-ins

Von 154 Zeitschriftenbetreibern haben 139 die Frage zum Einsatz von Plug-ins beantwortet: 62 wissen nicht, ob bzw. welche Plug-ins sie benutzen (45%) und 9 verwenden keine Plug-ins (6%). Somit arbeitet über die Hälfte (51%) nicht mit Plug-ins bzw. wissen nicht, was ihre konkreten Plug-ins in diesem Kontext sind. Vielgenutzt unter den Plug-ins sind:

  • Schnelleinreichungsplug-in (25%),
  • Lesewerkzeuge (20%),
  • Statische Seiten (17%) und
  • Report-Plug-in (17%).

60% der Hostinganbieter bieten ihren Zeitschriftenbetreibern auf Nachfrage weitere Plug-ins an. Davon beziehen 88% die Plug-ins über PKP bzw. deren Plug-in-Gallery. 13 % programmieren Plug-ins selbst.

Anlaufstelle für technische Fragen

Für technische Fragen zu OJS ist das Public Knowledge Project (PKP)-Forum die zentrale Anlaufstelle (74%). Darüber hinaus wenden sich 41% der Hostinganbieter an andere IT-Entwickler und 39% an andere Hostinganbieter.

Kommunikation zwischen Hostinganbieter und Zeitschriftenbetreiber

Hostinganbieter und Zeitschriftenbetreiber kommunizieren über mehrere Wege. Im Vordergrund steht der persönliche Austausch über E-Mail (85%), Telefon (61%) oder persönliches Treffen (48%).

Hostinganbieter

Die Hostinganbieter verteilen sich wie folgt in der deutschen Publikationslandschaft:

  • 51% der befragten Hostinganbieter gaben an, aus Universitätsbibliotheken zu stammen,
  • 11% aus Rechenzentren und
  • 13% von Fakultäten, Instituten oder Lehrstühlen. Letztere Gruppe setzt somit ihre OJS-Instanz ohne die Unterstützung von universitären Infrastruktureinrichtungen auf. In der Regel wird der Service der Hostinganbieter kostenfrei angeboten (68%).

Dokumentation und Publikationen

Dokumentation aller Umfrageergebnisse

Gehrlein, Sabine / Büttner, Alexandra / Clormann, Stefanie: Online-Umfrage zu Open Journal Systems (OJS). Bedarfsanalyse im Rahmen des Projektes „OJS-de.net“. 2015.

Auswertung der Ergebnisse

Gehrlein, Sabine / Büttner, Alexandra / Clormann, Stefanie: Open Journal Systems im deutschsprachigen Raum. Ergebnisse der Umfrage OJS-net.de, in: b.i.t.online 18 (6:2015), S. 494-500.

Büttner, Alexandra: Online-Umfrage zu Open Journal Systems und das Netzwerk OJS-de.net. in: Theke aktuell 21 (2015), S. 20-24.

Büttner, Alexandra / Gehrlein, Sabine / Clormann, Stefanie: Online Survey on Open Journal Systems in Germany and the Network OJS-de.net. In: Scholarly and Research Communication, 7 (1:2016).